
Klärungsgespräche
Wenn Du ein Klärungsgespräch führst, sagst Du, was Du bisher verheimlicht hast und lernst dabei, dass Du nicht stirbst.
Der Erfolg des Gesprächs besteht diesmal nicht darin, dass Du das „richtige“ Resultat in Deiner Mutter* erzeugst.
Sie muss nicht zustimmen.
Sie muss Dich nicht verstehen.
Sie muss Dir nicht geben was sie früher schon nicht hatte.
Der Erfolg besteht darin, dass Du die Kontrolle aufgibst.
Während Deine Kontrollstrategie früher Dein Überleben gesichert hat, wurde Deine Todesangst mental konserviert.
Sie verzerrt noch heute Deine Wahrnehmung.
Du hast gelogen, um zu überleben.
Doch diesmal bist Du ehrlich.
Du stellst Dich ihrer Reaktion.
1. Deine Kontrollstrategie benennen
Du sagst offen, wie Du bisher versucht hast, die Reaktion Deiner Mutter zu kontrollieren.
Zum Beispiel:
“Im Gespräch mit Dir strenge ich mich an, Dich nicht zu verärgern.
Ich filtere meine Worte, atme flach und ziehe die Schultern nach vorne.
Wenn Du lauter wirst, schaue ich zur Seite und nicke, damit Du Dich sicher fühlst.
Ich täusche Zustimmung vor, während ich eigentlich Übelkeit spüre.
Ich habe es zu meiner Aufgabe gemacht, Dein Narrativ zu bestätigen:
„Mama hat immer alles für die Familie getan.
Alle Probleme sind Papas Schuld.“
2. Das Ziel Deiner Geheimmission aussprechen
Du sprichst aus, was Du eigentlich erreichen wolltest.
Zum Beispiel:
Ich versuche zu verhindern, dass Du laut wirst und etwas wirfst oder zerstörst.
Ich will verhindern, dass Du mich „unloyal“ oder „egoistisch“ nennst.
Ich will bewirken, dass Du Dich beruhigst, mich anschaust und fragst, wie es mir geht.
3. Kindliche Überzeugungen zugeben
Dabei kannst Du auch zugeben, welche Überzeugungen in Dir aktiv sind.
Tief in mir bin ich noch überzeugt:
„Wenn Du traurig schaust wirst Du mich verlassen und muss ich sterben.“
“Wenn ich Dich nicht stolz mache gehst Du kaput”
„Wenn Du wütend bist, wirst Du mich bestrafen und verstoßen.“
„Du bestimmst, ob ich in Ordnung bin und wie viel ich wert bin.“
4. Verschwiegene Fakten aussprechen
Du sagst, was Du bisher verborgen hast.
Süchte, Krankheiten, heimliche Lebensentscheidungen wie Scheidung, Religionsaustritt und Abtreibungen, finanzielle und rechtliche Probleme, Lügen, Betrug, falsche Zusagen oder Versprechen.
Benutze einzelne, klare Sätze, während Du sie ansiehst.
5. Gefühle aussprechen
Oft waren nicht nur die Fakten tabu, sondern auch die Gefühle.
Wenn sie auftauchen, sprich sie aus.
Wut, Trauer, Hass, Angst, Abscheu und Schmerz.
Genauso wie Freude, Liebe und Dankbarkeit.
Fokus
Um die Beziehung zu klären brauchst Du etwas Entschlossenheit. und Geduld mit Dir selbst.
Lass Dich nicht von Details wie verdrehten Augen, hochgezogenen Augenbrauen und alten Sprüchen ablenken.
Zum Beispiel
“Schau mal raus! Eichhörnchen”
“Du bist ja verrückt!”
“Ich kann nicht mehr. Du machst mich kaput!”
“Ich weiss ich habe alles falsch gemacht. Tut mir Leid dass ich geboren wurde!”
Wenn Du die Orientierung verlierst gehe die Punkte 1-5 nochmal durch.
Im Zweifel wiederhole die wichtigen Sätze nochmal lauter.
Hinschauen. Aussprechen. Weiteratmen.
Ergebnis
Du bemerkst eines von zwei Dingen:
Entweder wirst Du weder angegriffen noch verlassen.
Oder Du bemerkst, dass Du als Erwachsener mit der Reaktion** umgehen kannst.
Weggehen ist keine Gefahr und Du brauchst weder Belohnung noch Bestätigung dass Du in Ordnung bist.
Du hast ihr diese Macht gegeben, um dein Überleben und die Beziehung zu sichern.
Doch erst indem Du das zugibst, nimmst Du Deine Macht zurück.